27.09.2017

Nachtragend

Das kennt wohl jeder: Wie­der hat der freund­li­che Bote der gel­ben, brau­nen oder oran­ge­nen Flot­te ver­geb­lich ver­sucht, das On­line-Pa­ket ab­zu­ge­ben – na­tür­lich mit­ten am Tag, wenn nie­mand zu­hau­se ist. Der Zet­tel im Brief­kas­ten ver­weist auf den Rent­ner im zwei­ten Stock, der zum x-ten Male als Post­stel­le her­hal­ten muss. Beim letz­ten Paket hat er schon so ko­misch ge­guckt. Es hilft nichts. Außer den üb­li­chen Dan­kes- und De­muts­be­kun­dun­gen ist dies­mal auch eine Fla­sche Spät­bur­gun­der aus dem Paket vom Wein­ver­sand fäl­lig. Aber wie re­agiert der Nach­bar beim nächs­ten Mal? Denn spä­tes­tens mor­gen kom­men die be­stell­ten Schu­he.

 

Wächst das Ein­kau­fen im Netz wei­ter so stark wie bis­her, ist das har­mo­ni­sche  Zu­sam­men­le­ben in deut­schen Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern und An­woh­ner­stra­ßen ernst­haft ge­fähr­det. Doch es zeich­nen sich be­reits Frie­dens­in­itia­ti­ven ab – wie zu er­war­ten in Form web-ba­sier­ter Lö­sun­gen. Eine davon hat sich das Start-Up-Un­ter­neh­men Par­ci­fy aus­ge­dacht. Eine ent­spre­chen­de App macht es mög­lich, dass On­line-Shop­per sich ihre Sen­dun­gen in­ner­halb der Me­tro­po­len na­he­zu über­all hin lie­fern las­sen kön­nen – egal ob ins Büro, in den Park oder an die Bus­hal­te­stel­le. Dabei scheu­en die Boten des bel­gi­schen Lo­gis­ti­kers sich auch nicht, mo­bi­len Be­stel­lern hin­ter­her­zu­ra­deln, so­lan­ge deren Han­dys per Geo­lo­ca­ti­on ver­läss­lich Aus­kunft über den ak­tu­el­len Auf­ent­halt geben.

 

Wir soll­ten uns also nicht wun­dern, wenn künf­tig beim Match auf dem Ten­nis­platz plötz­lich ein bunt ge­klei­de­ter Fahr­ra­dre­cke am Platz steht und schnau­fend die well­pap­pen­ver­pack­te, neue Strick­ja­cke über­reicht. Oder uns beim War­ten an der Bus­hal­te­stel­le je­mand von hin­ten auf die Schul­ter tippt: „Hier ihr Paket – bitte noch un­ter­schrei­ben“. Was die App-Ent­wick­ler in einem Up­date al­ler­dings viel­leicht noch be­rück­sich­ti­gen soll­ten, ist eine Art Pa­ket­an­nah­me-Tin­der – für On­line-Shop­per, die es auch in der op­ti­mier­ten Lo­gis­tik­welt noch etwas nach­bar­schaft­li­cher mögen. Und für Rent­ner, die gerne mal ein Glas Wein trin­ken.

 

Foto: Par­ci­fy

 

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